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Die Revolution frisst ihre Kinder: Die “Generation Schweini” auf dem Weg aufs Altenteil

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Urlaub ist etwas Schönes. Vor allem dann, wenn die Schulferien der Kinder noch nicht begonnen haben. Einfach mal ausspannen. Netflix vielleicht? Playstation? Oder einfach nur im Bett bleiben? Alles gute Optionen. Aber Nein! Man will sich ja für die Arbeit fit halten, im Rhythmus bleiben. Also machen wir doch einfach eine schöne Excel Tabelle, schulen unsere “analytical skills”, wer rastet der rostet…

Da trifft es sich gut, dass ich mir in diesen Tagen etwas Gedanken gemacht habe. Kommt vor. Kommt vor allem vor, dass ich mir solche Gedanken zum Thema Fussball mache. Da diese Woche Wimbledon im Fernsehen läuft, bietet es sich an mal darüber zu sinnieren, ob man mit 30 Jahren wirklich zu alt für Fussball auf höchstem Niveau ist. Und stattdessen lieber zu den Tennisplätzen dieser Welt jettet, seine hübsche Freundin anfeuert, um dann in der zweiten Turnierwoche noch schön Urlaub in London, Paris, New York zu machen.

Genug der Vorrede. Das Schlagwort, dass sich mir in den Kopf gebrannt hat, ist “Jugendwahn im Fussball”. Eine schnelle Google-Suche zu diesem Thema hat ergeben, dass im Jahre 2003 ein gewisser Oliver Kahn vor diesem Trend gewarnt hat. Und dass zum Beispiel etwa zur gleichen Zeit ein Trainer namens Felix Magath aus der Not eine Tugend (Jugend?) gemacht hat, und die sogenannten Jungen Wilden “geboren” wurden.

(Disclaimer: für letzteres hätte ich als VfB-Fan natürlich Google nicht gebraucht)
(Disclaimer II: und geboren wurden die Jungen Wilden jeweils natürlich in den frühen 80ern).

Wie bringe ich diese Gedanken jetzt also mit Excel zusammen?

Nun, ich bin bei meiner Suche auch auf einen recht aktuellen Kommentar in der Zeit gestossen, der im Zusammenhang mit Bastian Schweinsteiger darauf verwies, dass man noch vor zehn Jahren mit seinen 30 Lenzen im besten Fussballeralter war, und noch eine zweite goldene Hälfte einer Fussballerkarriere vor sich hatte.

Das wollte ich also genauer wissen und habe mir das Durchschnittsalter unserer Nationalmannschaft seit den letzten Atemzügen der Ribbeck-Ära angeschaut. Dabei habe ich dann jeweils drei Aufstellungen eines Jahres verglichen, inklusive Einwechselspieler: das erste Freunschaftsspiels eines Jahres, das erste Pflichspiel eines Jahres (im Wechsel entweder ein Turnierauftakt oder das erste Qualifikationsspiel) und das letzte “ernst zu nehmende” Spiel eines jeweiligen Jahres (um z.B. solche abstrusen Events wie die Asien- und USA-Reisen im Dezember auszuklammern).

Was dabei herausgekommen ist, zeigt diese Grafik.Durchschnittsalter

Was man erkennen kann ist, dass die “Jugend-Revolution” mit der Benennung von Jürgen Klinsmann zum Teamchef der Nationalmannschaft begann. Er baute seine Mannschaft auf den jungen Eckpfeilern Schweinsteiger und Lahm auf, zusammen mit den erfahrenen Lehmann und Ballack. Hinzu kamen weitere junge Spieler, wie Per Mertesacker und im Sturm zunächst Kevin Kuranyi und nach der WM 2006 Mario Gomez. In 2004 war dies ein extremer Bruch mit den Gepflogenheiten in der Nationalelf hinsichtlich des Alters und der Erfahrung der Spieler. Vor allem war es jedoch der Start eines Projektes, das sein Ende mit der von Löw geführten Mannschaft bei der EM 2008 fand.

Nach der EM 2008 begann aus meiner Sicht dann ein neues Projekt, unter Hereinnahme von Manuel Neuer, Mesut Özil, Jerome Boateng, Thomas Müller und Sami Khedira. Zusammen mit Schweinsteiger, Lahm und Mertesacker, sowie altgedienten Spielern wie Miroslav Klose und zunächst auch Michael Ballack sollte diese neue Generation sich aufmachen, in den nächsten Jahren den WM Titel wieder nach Deutschland zu bringen. Wo dies endete, wissen wir alle, und erinnern uns sicher gerne daran.

Zurück zum Thema Jugendwahn und zu meiner zugegeben etwas reisserischen Überschrit. Wie ich finde, sollte man nicht von Jugendwahn sprechen. Mit Jürgen Klinsmann hat ein Umdenken in den deutschen Fussball Einzug gehalten, wenn nicht insgesamt, so doch zumindest im Bereich der Nationalmannschaft. Eine Mannschaft wird langfristig aufgebaut, im Stile eines Projekts, mit dem Ziel, dass die Teile aus denen die Mannschaft zusammengestellt wird sich innerhalb eines Zeitraums von bis zu vier bis sechs Jahren zu einer Einheit finden. Zwangsläufig bedeutet dies, dass – will man die Teile möglichst lange und möglichst konstant zusammen halten – die Spieler schon in jungen Jahren an die Nationalmannschaft herangeführt werden müssen.

Im Umkehrschluss wiederum bedeutet dies für Spieler wie Bastian Schweinsteiger, dass sie sich fragen müssen, ob sie denn noch bis zum Ende des jeweils nächsten Projektes dabei sein möchten und vor allem – leistungstechnisch – können. Aus der “Generation Schweini” haben bereits zwei (Mertesacker undLahm) diese Frage mit ihren Rücktritten klar beantwortet. Die Antworten zur Causa Schweinsteiger und auch von Lukas Podolski stehen noch aus. Werden wir die beiden bei der WM in Katar noch erleben? Mein Gefühl sagt: eher nicht.

Written by Dierk

June 30, 2015 at 2:18 pm

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